Presseberichte

"Symbolik und Sinnlichkeit in der Galerie "Art for you"
Weilburger Tageblatt 09.09.95

"Blütenduft erleichterte Eintritt ins vernetzte Regenbogenland"
Giessener Anzeiger 14.08.1996

"Kunst-Geplauder und Netze"
Giessener Allgemeine 1996

"Natur und Kunst eng verbunden"
Westerwälter Zeitung 1996

"Kunstwoche: Glückwunsch!"
Gemeindeblatt Limburg

"Spätsommerliche Gespinste"
Giessener Allgemeine 1997

"Gespinst" war eine poetische Installation,
aber so vergänglich wie eine Träumerei
Regionalblatt Braunfels 16. Juli 1997

"Extrem bunt statt grau mittelmäßig"
Lahnzeitung 1998

"Reich der Zwischenwelten"
Rhein Lahn Zeitung 09.August 2000

"Wenn der Fuchs mit dem Priester"
Die Rheinpfalz Nr.186 vom 13. August 2002

 

Symbolik und Sinnlichkeit in der Galerie "Art for you""
Weilburger Tageblatt 09.09.95

Tanzperformance "Grenzgänger" im Kreml ließ die Zuschauer Ängste und Grenzen vergessen

Von Stefanie Rüggeberg

Ein wild gestricktes Netz bunter Stoffstreifen zieht sich quer über alle Sitzreihen. Mittendrin mehrere Dutzend Kinder und Erwachsene, regelrecht eingewebt in das farbenfrohe Stoffgewirr. Und immer wieder fliegen neue Stoffkugeln durch die Luft und lassen das Netz vielfältiger und die Beteiligten ausgelassener werden.

Zollhaus

Von der Rolle des passiven, unbeteiligten Zuschauers konnte am vergangenen Freitag bei der Tanzperformance "Grenzgänger" der Westerwälder Künstlerin Jutta Dostert-Weisenborn keine Rede mehr sein. Fast alle Zuschauer ließen sich, nachdem das Eis der ersten Befangenheit zu brechen begann, bereitwillig nicht nur psychisch, sondern auch physisch vom ersten Teil der Performance, einer farbig-bunten Clowneske, gefangen nehmen. Im Clownskostüm wirbelte die Künstlerin quer durch die Sitzreihen und suchte vor allem immer wieder den direkten, auch körperlichen Kontakt zu den Zuschauern. Für Jutta Doster-Weisenborn eines der wichtigsten Elemente ihrer Performance, wie sie sagt: "Ich brauche das Spiel mit dem Zuschauer, vor allem in seinem Extremen. Dazu gehört für mich das Bezärteln der Leute ebenso wie die Provokation, der Angriff."

Diese Liebe zu den Extremen zeigte sich deutlich auch im zweiten Teil der Performance. Statt ausgelassener Heiterkeit dominierte zu den Klängen von Didjeridou, Trommeln, Gongs oder Klangschalen beim japanischen Butoh-Tanz eine sehr mystische Atmosphäre. Fast wie in eine andere Welt versetzt fühlte man sich mit der als eine Art Eule auftretenden Künstlerin. Ein Effekt, der dem Motto "Grenzgänger" deutlich gerecht wurde. Und so überrascht es auch nicht, dass Geister und Zwischenwelten zu den bevorzugten Motiven von Jutta Dostert-Weisenborn gehören. Der traditionelle japanische Butoh-Tanz eund seine große Ausdrucksstärke verkörpert diese Zwischenwelten eindrucksvoll.

Theaterspielen. Malen und Netzinstallationen gehören schon lange zum Repertoire von Jutta Dostert-Weisenborn. Durch die Performance "Grenzgänger" bot sich ihr jetzt im Kreml jedoch erstmals die Möglichkeit, als Solokünstlerin auf der Bühne zu stehen. Mit Uli Rhensius, der dabei die musikalische Begleitung übernahm, hat Jutta Dostert-Weisenborn bereits im Kalkwerk in Diez Klangexperimente ausgearbeitet. Seit mittlerweile drei Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Butoh-Tanz. Viele Elemente erlernte sie zunächst autodidaktisch, bevor sie dem Japaner Masaki Iwana nicht nur einen Lehrer, sondern auch "ein Autorität, die ich anerkenne" fand. Strenge und Ausdruck des Butoh faszinieren Jutta Dostert-Weisenborn. Andererseits, betont sie, brauche sie auch Raum, für eine freie, individueller Entfaltung ihrer Ideen. Eine Tendenz, dem "Grenzgänger" als Titel ihrer Performance sehr deutlich Ausdruck verlieh. Insbesondere mit der Clowneske, so die Künstlerin, habe sie an die Grenzen und Ängste der Menschen stoßen und diese abbauen wollen. Ein Vorhaben, das strotz vieler positiver Reaktionen dennoch nicht bei allen Zuschauern auf Resonanz, sondern vereinzelt auch auf strikte Verweigerung stieß. Doch Jutta Dostert-Weisenborn sieht das positiv. "Solange man überhaupt bei den Menschen Reaktionen hervorruft, ob nun positiv oder negativ, ist man auf dem richtigen Weg;" meint sie und verleiht damit einmal mehr ihrer künstlerischen Grundphilosophie Ausdruck: Extreme sind einfach spannender als das gesunde Mittelmaß.

Foto von Stefanie Rüggeberg

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"Blütenduft erleichterte Eintritt ins vernetzte Regenbogenland"
Giessener Anzeiger 14.08.1996

Performance von Elisabeth Weisenborn und Jutta Dostert-Weisenborn

Von Heiner Schultz
Gießen

Einige hübsche Überraschungen standen den Besuchern der Ausstellung und Performance im unteren Hardthof bevor, die am Freitag eröffnet und am Sonntag beendet wurde. Unter dem Titel "Netze" richteten die Schwestern Elisabeth Weisenborn und Jutta Dostert-Weisenborn den vergleichsweise nüchternen Raum zu einem ansehnlichen Labyrinth her, dessen Luftraum von geflochtenen, weißen und bunten Netzen bestimmt wurde, während an den Wänden zahlreiche Bilder der Künstlerinnen zu sehen waren.

Damit die wenigen Besucher auch in die richtige Verfassung gerieten, wurde jedermann und -frau erst mal das Chakra gereinigt. Wer bei diesem zweifellos esoterisch beeinflussten Vorgang jedoch an schwermütig ernste, sinntriefende Aktionen dachte, der hatte sich in den farbenprächtig gewandeten Schwestern getäuscht. Nicht nur vermittelten bereits ihre Kleider - makraméartig geflochtene oder geknüpfte Textilkreationen in allen Tönen des Regenbogens - eine heitere Grundstimmung, auch die Künstlerinnen waren spürbar beschwingt. Wie zwei charmante Hexen huschten sie weißgeschminkt und glucksend und kichernd durch die Reihen und huschelten mit einem Staubwedel liebevoll und ominös murmelnd jeden Besucher von Kopf bis Fuß ab. Nicht genug damit, anschließend wurde man auch noch frisch mit sicherlich naturreinem zarten Blütenduft besprüht. Dermaßen beansprucht, flüchteten sich gestresste männliche Teilnehmer der spirituellen Prozedur bereits mit hilflosen Blicken in nervöses Hüsteln oder mussten indisponiert schleunigst frische Luft zu sich nehmen. Elisabeth und Jutta machten nach dieser Anstrengung erst mal eine Pause.

Die aus Eschhofen im Westerwald stammenden Künstlerinnen arbeiten seit drei Jahren zusammen und erreichen mit Objekte, Installationen und Performances die Menschen an den verschiedensten Orten. Ihre Arbeiten "entstehen an schönen Plätzen und stehen für Verbindung, Vernetzung und letztlich Kommunikation". In Gießen wurden sie musikalisch unterstützt durch Ulrich Rhensius, der Didgeridou, Gongs, seine Stimmbänder und anderes einfühlsam und sehr effektsicher bediente.

Im zweiten, tänzerischen Teil der Performance kam die musikalische Unterstützung durch Rhensius deutlicher zum Tragen: während eine durch den Saal trippelnd chinesisch anmutende Töne von sich gab, agierte die zweite am Boden, rollte und kauerte sich zusammen, erstarrte alsdann wieder in einer Figur, um gleich wieder still zu verharren. Die Interaktion war bei dieser zarten Kommunikation zuweilen kaum spürbar, andererseits wieder fand man sich zu kleinen Zweiertableaus zusammen, in denen die Künstlerinnen ganz konkret aufeinander Bezug nahmen, wobei eine klare stilistische Trennung bestand.

Die dabei gezeigte mimische Expressivität war nicht nur optisch spürbar; früher hätte man es "Ausdruckstanz" genannt. Darüber hinaus hatten die Ohren unter dem dschungelartigen, doch strukturierten Geflecht, das den Luftraum einnahm, allerlei zu genießen: Didgeridou, Gongs und einiges mehr ließen verkehrsartigen Lärm, die vokalen Äußerungen der Tänzerinnen und stürmisches Rauschen schließlich in einem Soundteppich versinken wie im Geräusch des Dschungels - eindrucksvoll und anregend fanden das am Ende auch die Männer.

Foto von Heiner Schultz

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"Kunst-Geplauder und Netze"
Giessener Allgemeine 1996

Performance und Ausstellung zweier Künstlerinnen in der Hardthof-Galerie

Dkl

Sie knüpfen Netzte, große und kleine, dezent weiße und knallig bunte, lang herabhängende und flächig ausgebreitet. Vernetzung im übertragenen Sinn, das wollen die beiden Künstlerinnen aus Eschhofen im Westerwald (unweit Limburg) bewirken. Der Einstieg in die Giessener Kunstszene fiel für Elisabeth Weisenborn und Jutta Dostert-Weisenborn quantitativ gesehen eher bescheiden aus. Nur wenige Interessierte hatten am Freitag Abend den Weg in die Galerie im Unteren Hardthof gefunden.

Es war ein angenehmer und fröhliche Abend, den die beiden mit ihrer Performance und ihren Gemälden bescherten. Zunächst traten sie in Kostümen auf, die ähnlich grellbunt und gehäkelt sind wie die Netze, die den Raum der Galerie überspannten. Mit Geplauder demonstrierten sie die Reinigung der menschlichen Aura mittels eines Staubwedels. Zunächst an sich, dann an den Besuchern. Eine Prise Duftöl erhält jede Person, Rosa für die Liebe und Blau für den Frieden.

Der übermächtige Wunsch nach Love and Peace bestimmte auch den folgenden "ersten Teil" der Performance. Elisabeth Weisenborn in langen weißen Kleid und schwarzen Jackett ist die Aufrechtstehende, die mit schöner Stimme fremdartige Weisen singt. Jutta Dostert-Weisenborn kugelt sich lange auf dem Boden, erlernt den aufrechten Gang nur mühsam und hangelt sich äffchenartig hoch an einem der Netze. Kontaktversuche geschehen vorsichtig, scheitern letztlich an der Ich-Bezogenheit der laufenden und singenden Protagonistin.

Die packende Atmosphäre wird wesentlich mitgetragen von den Begleitgeräuschen, die vom überdimensionierten Grillengezirpe ausgehen, über Motoren- und Zivilisationsgeräusche wieder bei Naturlauten und Vogelgezwitscher enden. Faszinierendes Klangmittel ist das Didgeridou, das Holzblasinstrument der australischen Ureinwohner. Geblasen wurde es, auf der oberen Galerie von Ulrich Rhensius, der auch andere Klangkörper wie Gong und Zimbel bediente.

In den ornamental-bunten Aquarellen und Seidenmalereien von Jutta Dostert-Weisenborn, und in den mittelformatigen Gemälden von Elisabeth Weisenborn, die deutlich inspiriert sind von der Pünktchen-Technik der australischen Aborigines. Gegensätzliches ist assoziierbar, der Symbolcharakter stehet dabei im Vordergrund. Die größeren Arbeiten bringen Teile des weiblichen Körpers in stilisierter Form nahe.

Leider war dieser Kunst-Akt auf das vergangene Wochenende beschränkt.

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Natur und Kunst eng verbunden"
Westerwälter Zeitung 1996

Besucher können Skulpturen, Lichter, Spiegel und Netze entdecken

Leuterod

Auf künstlerische Entdeckungsreise kann man derzeit am Malberg bei Leuterod gehen: Seit dem Wochenende sind in dem sagenumwobenen Wald zahlreiche Kunstobjekte zu bestaunen. Sie stammen nicht etwa von den Bewohnerinnen des "Wildweiberhäuschen", die der Überlieferung nach auf dem Berg hausen, sondern von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Westerwaldkreis.

Aufmerksame Spaziergänger können bereits am Wegesrand fündig werden: Skulpturen, Windlichter und Spiegelobjekte stehen, oft erst auf dem zweiten Blick erkennbar, in Felsspalten und auf Baumwurzeln. Farbenprächtige, gewebte Netze sind zwischen die mächtigen Stämme gespannt oder hängen unvermittelt von den Zweigen.

Das Projekt "Zwischen Welten" wurde von den beiden Künstlerinnen Elisabeth Weisenborn und Jutta Dostert-Weisenborn initiiert. Elisabeth Weisenborn: "Wir wollten das geheimnisvolle Ambiente und die Schönheit des Berges nutzen." Sie luden einige Kollegen ein, spontan etwas für diese Projekt zu schaffen.

Das Ergebnis sind einige originelle und sehr schöne Installationen, die sich wunderbar in die geheimnisvolle Umgebung einfügen. Die Auseinandersetzung der Kunst mit der Natur war dabei der Kerngedanke.

Augen und Ohren waren am Samstag auf dem Gipfel des Malbergs gefordert: Neben den Installationen aus Spiegel- und Glasfragmenten und bunten Webarbeiten gab es außerdem Gesang und interessante Klänge zu hören, erzeugt von Trommeln, Röhren, Glocken und Gongs. Es sollten auch Tänze gezeigt werden, doch leider spielte das Wetter nicht mit. Dauerregen führte dazu, dass das geplante und erprobte Programm nicht gezeigt werden konnte.

Die Installationen aber werden noch zwei Wochen zu sehen sein, und sollte am 20. Juli eher mitspielen, heben Interessierte nochmals die Gelegenheit, Zeuge dieser interessanten Performance, einer "Hommage an das Leben", zu werden. In der Zwischenzeit werden auch neue Objekte installiert. Elisabeth Weisenborn: "Bis jetzt ist das Projekt noch unvollendet, es soll noch weiter wachsen."

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"Kunstwoche: Glückwunsch!"
Gemeindeblatt Limburg

Diez

Fsw

Mit einem spektakulären Figurentheater der Gruppe "Inco´Nito et Cie. Des Quidams" eröffnete die 2. Diezer Kunstwoche mit einem Paukenschlag. Und das Risiko der Veranstalter rund um Susanne Modemann vom Arbeitskreis Kultur des Diezer Onaniertisches wurde belohnt. Zwischen 22.00 und 24.00 Uhr glich die Stadt Diez einem Ameisenhaufen, Menschen wohin man sah.

Und alle folgenden den phantastischen Gestalten vom Bahnhof durch die gesamte Innenstadt bis auf das Gelände zwischen Lahn und und der alten Kaserne, wo die "fremden Wesen" mit moderner und klassischer Musik und vielen Lichteffekten die Zuschauer in den Lahnanlagen du auf der neuen Lahnbrücke in eine andere Welt entführten.

Eine Show, poetisch anrührend, wie sie in Diez zuvor noch nicht zu sehen war.

Schön, dass bei der Diezer Kunstwoche auch Kinder und >Jugendliche einbezogen wurden. So zeigten die Kinder der Kreismusikschule am Samstag das Musical "Der Rattenfänger von Hameln", der Jazz-Frühschoppen am Sonntagmorgen wurden von jungen Musikern der Kreismusikschule Rhein-Lahn gestaltet.

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Spätsommerliche Gespinste"
Giessener Allgemeine 1997

Dkl

Spätsommerliche Gespinste

Netze und Performance der Künstlerinnen Weisenborn im Botanischen Garten

Der Herbst naht mit großen Schritten. Die Tage werden kürzer, das Licht wird weicher und noch klarer. Zum Reifen der Früchte gesellen sich die Spinnweben des Altweibersommers, die im Botanischen Garten derzeit besondere Formen angenommen haben. "Das Gespinst" nennen die Künstlerinnen Elisabeth Weisenborn und Jutta Dostert-Weisenborn ihre Installationen mit großen bunten Netzen, die für kurze Zeit das Grün der Bäume und Sträucher im Botanischen Garten beleben. Eine veränderte Wahrnehmung der Natur ist dadurch möglich, ein anderes Anschauen des bereits Gekannten.

Am Samstag Nachmittag kam eine Kunstaktion besonderer Güte hinzu. Die beiden Künstlerinnen aus dem Limburger Raum gestalteten ein Performance, die angelegt war zwischen Pantomime und Tanz, zwischen selbstvergessenen Dienst an der Natur und pfiffiger Einbeziehung des Publikums, das ihre tänzelnden Wege durch den Botanischen Garten gerne folgten. Ein tirilieren und zwitschern entwich den Kehlen der beiden Darstellerinnen, die halb Mensch, halb Naturwesen in phantasievollen Kostümen auf Entdeckungsreise gingen.

Die eine putzte mit ihrem Staubwedel hingebungsvoll die moosbewachsenen Wurzeln und die knorrigen Rinden der Bäume. Ihr organisch sich einfügender Baumrindenumhang umwehte manchmal auch die Menschen, die ebenfalls eine Reinigungsprozedur vertragen konnten. Die andere tänzelte leichtfüßig voran, weißgewandet mit einer Commedia dell´Arte - Maske, und tat ihre Entdeckung kund, mit bewundernden Lauten, seien nun mächtige, alte Bäume oder junge, dürre Baumkinder. Auch weinten sie gemeinsam über einen blattlosen, abgestorbenen Baum. Die etwa 40 minütige Performance endete auf dem Teichplateau beim Gewächshaus, an dem die Percussionisten Jochen Etienne und Ulrich Rhensius das ganze mit Trommeln, Gong und Didgeridou begleiteten.

Über die bloße Aktion hinaus treibt die Künstlerinnen ein Anliegen. In einer Welt der digitalen Verbnetzung sehen sie die Gefahr des Verlorengehens in der Überinformation und der Verstrickung zur Einseitigkeit. Mit ihrer humorvollen und witzigen Art wollen sie beim Publikum "die Sinne anregen, die Erinnerung wecken und Poesie sichtbar machen". Ein Weg, der ganz eindeutig nicht über den Verstand und die Logik funktioniert, sondern über das Staunen, Träumen und die Assoziation, kurz über Gefühl und Instinkt.

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"Gespinst" war eine poetische Installation,
aber so vergänglich wie eine Träumerei
Regionalblatt Braunfels 16. Juli 1997

Braunfels (öh)

"Es ist wie ein Traum. Wenn man morgens aufwacht ist er weg." Mit diesen Sätzen kann man das poetische Schauspiel am Sonntag in der Braunfelser Lindenallee beschreiben.

So tun es zumindest die beiden Künstlerinnen Elisabeth Weisenborn und Juuta Weisenborn., die das "Gespinst" knüpften, das nun in den Köpfen der zahlreichen Besucher haftet.

Auch wenn die eigentliche Improvisation der beiden Künstlerinnen nur etwas mehr als eine halbe Stunde dauerte, so bot das "Gespinst" viele Facetten, um sich in ihm zu verstricken.

Und das den ganzen Tag über, denn im Gegensatz zu einem Spinnennetz wuchs das "Gespinst" aus geflochtenen Tüchern am Tag. In der Lindenallee maß es etwa 400 Quadratmeter, bot sich als begehbarer Traum dar und hatte immer die Aura eines Kleinods.

Egal, ob man sich Assoziationen wie Computer-Netzwerk, Verstrickung, dem Gehirn als neuronales Netz oder schlicht der Verknüpfung mit der Natur hingab, sie endeten - wie das Gespinst - in Zerstörung. Diese Vergänglichkeit und Unerbittlichkeit, die die Künstlerinnen aus der Nähe von Limburg an den Tag legten, mag manchen, der an der bunten Schönheit des Augenblicks hängt, erschüttert haben.

So präsentierte sich das "Gespinst" am Ende der Performance - wieder vergleichbar mit dem zerfallenen Spinnennetz - einem gordischen Knoten, der bei der nächsten Aufführung im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers (13. September in Haiger) wieder zu neuem Leben erwachen wird.

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"Extrem bunt statt grau mittelmäßig"
Lahnzeitung 1998

Tanzperformance "Grenzgänger" im Kreml ließ die Zuschauer Ängste und Grenzen vergessen

Von Stefanie Rüggeberg

Ein wild gestricktes Netz bunter Stoffstreifen zieht sich quer über alle Sitzreihen. Mittendrin mehrere Dutzend Kinder und Erwachsene, regelrecht eingewebt in das farbenfrohe Stoffgewirr. Und immer wieder fliegen neue Stoffkugeln durch die Luft und lassen das Netz vielfältiger und die Beteiligten ausgelassener werden.

Zollhaus

Von der Rolle des passiven, unbeteiligten Zuschauers konnte am vergangenen Freitag bei der Tanzperformance "Grenzgänger" der Westerwälder Künstlerin Jutta Dostert-Weisenborn keine Rede mehr sein. Fast alle Zuschauer ließen sich, nachdem das Eis der ersten Befangenheit zu brechen begann, bereitwillig nicht nur psychisch, sondern auch physisch vom ersten Teil der Performance, einer farbig-bunten Clowneske, gefangen nehmen. Im Clownskostüm wirbelte die Künstlerin quer durch die Sitzreihen und suchte vor allem immer wieder den direkten, auch körperlichen Kontakt zu den Zuschauern. Für Jutta Doster-Weisenborn eines der wichtigsten Elemente ihrer Performance, wie sie sagt: "Ich brauche das Spiel mit dem Zuschauer, vor allem in seinem Extremen. Dazu gehört für mich das Bezärteln der Leute ebenso wie die Provokation, der Angriff."

Diese Liebe zu den Extremen zeigte sich deutlich auch im zweiten Teil der Performance. Statt ausgelassener Heiterkeit dominierte zu den Klängen von Didjeridou, Trommeln, Gongs oder Klangschalen beim japanischen Butoh-Tanz eine sehr mystische Atmosphäre. Fast wie in eine andere Welt versetzt fühlte man sich mit der als eine Art Eule auftretenden Künstlerin. Ein Effekt, der dem Motto "Grenzgänger" deutlich gerecht wurde. Und so überrascht es auch nicht, dass Geister und Zwischenwelten zu den bevorzugten Motiven von Jutta Dostert-Weisenborn gehören. Der traditionelle japanische Butoh-Tanz eund seine große Ausdrucksstärke verkörpert diese Zwischenwelten eindrucksvoll.

Theaterspielen. Malen und Netzinstallationen gehören schon lange zum Repertoire von Jutta Dostert-Weisenborn. Durch die Performance "Grenzgänger" bot sich ihr jetzt im Kreml jedoch erstmals die Möglichkeit, als Solokünstlerin auf der Bühne zu stehen. Mit Uli Rhensius, der dabei die musikalische Begleitung übernahm, hat Jutta Dostert-Weisenborn bereits im Kalkwerk in Diez Klangexperimente ausgearbeitet. Seit mittlerweile drei Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Butoh-Tanz. Viele Elemente erlernte sie zunächst autodidaktisch, bevor sie dem Japaner Masaki Iwana nicht nur einen Lehrer, sondern auch "ein Autorität, die ich anerkenne" fand. Strenge und Ausdruck des Butoh faszinieren Jutta Dostert-Weisenborn. Andererseits, betont sie, brauche sie auch Raum, für eine freie, individueller Entfaltung ihrer Ideen. Eine Tendenz, dem "Grenzgänger" als Titel ihrer Performance sehr deutlich Ausdruck verlieh. Insbesondere mit der Clowneske, so die Künstlerin, habe sie an die Grenzen und Ängste der Menschen stoßen und diese abbauen wollen. Ein Vorhaben, das strotz vieler positiver Reaktionen dennoch nicht bei allen Zuschauern auf Resonanz, sondern vereinzelt auch auf strikte Verweigerung stieß. Doch Jutta Dostert-Weisenborn sieht das positiv. "Solange man überhaupt bei den Menschen Reaktionen hervorruft, ob nun positiv oder negativ, ist man auf dem richtigen Weg;" meint sie und verleiht damit einmal mehr ihrer künstlerischen Grundphilosophie Ausdruck: Extreme sind einfach spannender als das gesunde Mittelmaß.

Foto von Stefanie Rüggeberg

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"Reich der Zwischenwelten"
Rhein Lahn Zeitung 09.August 2000

Von Stefanie Rüggeberg

Reich der Zwischenwelten

Butoh-Performance im Zollhauser Kreml - Wie ein Urlaub vom eigenem Körper

Urlaub vom eigenem Körper machen - ist das möglich? Es funktioniert mit Phantasie und etwas spirituellem Feingefühl. Davon konnten sich die Besucher des Zollhauser "Kreml" bei einer Performance überzeugen.

Zollhaus

Mit einer spannenden Butoh-Performance entführten die Künstlerinnen Jutta Dostert und Eva Hahn die "Kreml"-Zuschauer ins Reich der Zwischenwelten. Wer den traditionellen Butoh kennt, weiß, dass der Tanz vor allem eins zu bieten hat: Ausdruck pur.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand diese Tradition in Japan quasi als Protest gegen das herkömmliche, sehr streng konzipierte Theater. Der Weg nach Europa war dann allerdings noch ziemlich weit. Erst in den vergangenen Jahren ist der Tanz auch bei uns allmählich populär geworden.

Doch was genau verbirgt sich nun hinter der asiatischen Tradition? "Butoh ist, wenn ein Toter seinen Körper bewegen möchte", erklärt Jutta Dostert. Eine ziemlich mystische Angelegenheit also, die aber inhaltlich das Kreml-Publikum schnell in seinen Bann zog.

"Fremd in mir" hieß es dort. Ein Motto, hinter dem eine einfache Geschichte stand: Die Hauptfigur des Tanzes fühlt sich fremd im eigenen Körper und fühlt, wie ihre äußere Hülle langsam entgleitet. Die Folge: Arme und Beine verlieren Stück für Stück ihre Funktionen, die Bewegungen werden unbeholfen und er Körper fällt auseinander. Dieser Prozess wirkt auf den ersten Blick tragisch. Doch Tod und Zerfall, so die Butoh-Motivation, markieren nicht das Ende. "Vielmehr", unterstreicht Dostert, "ermöglicht erst der Zerfall einen wirklichen Neubeginn. Körper und Geist können sich dann wieder neu zusammensetzen."

Diese Botschaft brachte die 46-Jährige in ihrer Performance durch und durch überzeugend zum Ausdruck. Mimisch und gestisch unbeholfen bewegt sich ihre Anti-Heldin über sie Bühne, um am Ende im eleganten uns anmutigen Bewegungen wieder zu neuem Leben zu erwachen. Dieser Kreislauf soll vor allem eins vermittelt: "Wichtig ist es, seinen Körper und das Leben auf der Erde zu lieben", sagt Dostert.

Für die Darstellung dieser Motivation hat sich in ihr und der Shakuhachi-Flötistin Eva Hahn ein ideales Paar gefunden. Impulsiv und spannend, fern abseits der sogenannten "Normalität" verleiht Jutta Dostert ihrer Butoh-Figur die nötige Glaubwürdigkeit.

Meditative Unterstutzung bieten schließlich die sehr folkloristischen, naturverbundenen Klänge von Eva Hahns Flöte. Dicker Pluspunkt des Duos ist vor allem auch der große Improvisations-Geist der beiden Künstlerinnen, denen man die Leidenschaft für den Butoh-Tanz anmerkt.

"Das Schöne am Butoh", findet Jutta Dostert," ist, dass das ein Tanz ist, den wirklich jeder lernen kann." Und das gilt vor allem unabhängig vom Alter. Denn in Japan sind die ganz großen Butoh-Tänzer irgendwo zwischen 60 und 90 Jahre angesiedelt. Und: Butoh ist keineswegs nur etwas für Sportfreaks, im Gegenteil. Zwar ist die Gelenkigkeit ein Plus, aber das entscheidende Geheimnis liegt doch da, wo die Seele des Tanzes lebt. "Denn am wichtigsten sind Ehrlichkeit und Ausdruck", weiß Jutta Dostert, "und der einzige Schritt, den man dann gehen muss, ist, dass man sich öffnet und dieses Potential nach außen bring."

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Wenn der Fuchs mit dem Priester"

Die Rheinpfalz Nr.186 vom 13. August 2002

Von Tanja Bloching

Japanische Märchen mit Eva Hahn und Jutta Dostert im Japanischen Garten stilecht inszeniert

Es ist schon etwas dämmrig. einzelne Nieseltröpfchen fallen auf die erde. Ein Fisch macht einen Luftsprung aus seinem Teich. Mitten zwischen Tulpenbäumen, Steinlaternen und Wasserfall ertönt die Musik einer Flöte. Eine Frau im weißen Gewand tanz anmutig dazu. Am Samstagabend inszenierten beim "Kultursommer Rheinland-Pfalz" die beiden Künstlerinnen Eva Hahn und Jutta Dostert im Japanischen Garten ein außergewöhnliches Ereignis. Mit Tanz, Musik und Erzählung gestalten sie einen Märchenabend im japanischen Stil. Dabei entführten sie etwa 120 Besucher nach Japan und stellten drei Märchen ausdrucksstark vor.

Eva Hahn übernahm den erzählenden Part. Dabei machte sie die Figuren durch facettenreiche Gestik, Mimik und farbige Wortwahl lebendig. Im Anschluss an die Erzählungen spielte sie verschiedene Stücke mit der Shakuhachi-Flöte. Genau wie die Form des Vortrags, geschah auch dies im klassisch japanischen Sinn.

Die von Eva Hahn ausgewählten und nur skizzenhaft überlieferten Musikstücke stammen aus verschiedenen Epochen der japanischen Kultur. Ebenso ist die Shakuchatichi-Flöte, deren Name auf das längenmaß der ursprünglichen Flöte zurückgeht, ein typisches japanisches Instrument. Zur Musik der Shakuhachi-Flöte tanzte Jutta Dostert barfüßig und in schlichter Kostümierung, die d3mjeweiligen Märchen angepasst war, die Geschichten in Form des Butoh. Butoh ist ein Tanztheater, bei dem mit möglichst geringem Aufwand an Kostümen und Bewegung Emotionen verkörpert werden sollen, was Jutta Dostert durchaus auch gelungen ist.

Die Kulisse für das Geschehen bildete die Anlage des Japanischen Gartens. Für den Märchenabend wurde er mit Markisenhaften netzen aus weißen und blauen Bändern geschmückt, zum Teil mit roten Blüten verziert.

Während die Bänder im Wind leicht flattern, sitzt Eva Hahn auf einem Steinberg und erzählt das Märchen "Das Tuch der vollkommenen Verwandlung". Es handelt von einem Fuchs, der ein Tuch besitz, mit dem man sich in ein Mädchen verwandeln kann, und von einem Priester, dem es mit Raffinesse gelingt den Fuchs dazu zu bringen, ihm das Tuch zu überlassen. Jutta Dostert verkörpert beim Tanz zur Flöte alle drei Figuren, als Fuchs geschminkt und mit zwei weißen Masken, die sie im Wechselspiel vor ihr Gesicht hält.

Beim "Schneckenmann" genügt das weiße Gewand als Kostümierung. Da in dieser Geschichte eine Wassergöttin und eine Frau, die sich aus Trauer ertränken möchte, vorkommen, wurden das Licht am Wasser und die Spiegelung am eich zur Requisite. Auch bei der dritten Erzählung, wieder näher am Publikum inszeniert, verzichteten die Künstlerinnen auf unnötiges Beiwerk. Ein dunkles Gewand, eine rote Perücke und eine schlichte blaue, hexenartige Maske genügen für die Darstellung eines Dämons. Zur besseren Verständlichkeit erzählen sie die Märchen nicht in Originalsprache. Einzelne japanische Ausdrücke und Namen kamen jedoch immer wieder vor und wurden übersetzt. Dadurch verstärkten die Akteure das japanische Ambiente.

Der Märchenabend im Japanischen Garten war Eva Hahns und Jutta Dosterts gemeinsame Deutschlandpremiere. Bisher hat die in Frankreich lebende Musikerin derartige Abende allerdings schon bei unseren Nachbarn veranstaltet. Beifall und gute Stimmung bewiesen, dass der beeindruckende Abend beim Publikum gut ankam.

Foto von VIEW

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